Kaisergebirge (25.5. - 29.5.1997)

Hier mal ein Reisebericht von meinen 4 Tagen im Kaisergebirge.

25.5.97: Anreise nach Elmau (Wochenbrunner Alm (1050m)) und Aufstier zur Gaudeamushütte (1260m)

Gegen mittag bin ich aus Liechtenstein los, wo ich übers Wochenende bei einem regionalen Treffen mit Usern aus KONTAKTE.TALK nebst Anhang eingeladen war.
Der Weg bis zur österreichischen Grenze war problemlos zu finden, auch wenn ich etwas überrascht war schon dort zu sein, da die Numerierungen der Autobahnabfahrten mit denen auf der Autobahn nicht übereinstimmten.
Eigentlich wollte ich vorher schon wegen der Mautgebühren abfahren und auf der Landstraße weiterfahren. Aber es war ganz gut so, da die Autobahn bis Kufstein-Süd mautfrei ist und ich sowieso nicht weiter wollte. An der Grenze habe ich dann erstmal Geld getauscht. Allerdings sollten sich die veranschlagten 150DM im nachhinein als etwas knapp kalkuliert herausstellen. Aber es hat gereicht.
Jedenfalls in Kufstein-Süd dann von der Autobahn runter und über Ellmau weiter bis zu einem Parkplatz an der Wochenbrunner Alm auf ca. 1050m so gegen 18 Uhr.
Nachdem ich meinen Rucksack gepackt hatte und mich in meine Wanderklamotten geschmissen hatte, konnte es dann los gehen. Eigentlich wollte ich ja meine Videokamera mit auf den Trip nehmen, hab sie dann aber doch lieber kurzfristig im Auto zurückgelassen und mich mit dem Fotoapparat begnügt. Das sollte sich dann auch zumindest für den folgenden Tag als gute Entscheidung herausstellen.
Bis zur Gaudeamushütte (1260m) war es dann auch nicht weit und außerdem hatte sie auch noch einen direkten "Autobahnanschluß". Ich war jedenfalls erstmal froh da zu sein, da es ja doch schon spät war. Zur moralischen Unterstützung zum Auftakt meines Alleingangs durch das Kaiserbebirge hatte die Bergrettung auch noch am Abend einen Einsatz.
Gegen 19 Uhr landete ein Rettungshubschrauber neben der Hütte und ein Kleinbus mit Leuten der Bergrettung kam auch den Berg hochgefahren. Gesucht wurde, soweit ich das mitbekommen habe eine Kletterin, welche nicht zurückgekommen war, und auch beizeiten gefunden wurde.

26.5.97: Gaudeamushütte (1260m) - Ellmauer Tor/Hintere Goinger Halt (2190m) - Stripsenjochhaus 1580m)

Am Abend zuvor hatte ich mich entschieden durch das Ellmauer Tor zum Stipsenjochhaus zu wandern. Oben lag zwar Schnee, aber nach Aussagen des Hüttenwirtes und noch eines Gastes konnte man da wahrscheinlich ganz gut rüber.
Ich also so gegen 8.30 Uhr, nachdem ich gefrühstückt hatte, los. Zuerst lief ich 3 anderen Gästen aus der Hütte, welche scheinbar klettern wollten hinterher, was sich dann später im Schnee gut machte, da man schon vorgetretene Tritte hatte. Als die anderen 3 dann abgebogen waren, war ich dann aber auf mich allein gestellt.
Auf dem Sattel des Ellmauer Tores zweigte dann der Weg zum "Hinteren Goinger Halt" (2190m) ab, der mich reizte. Also drauf. Es ging auch recht gut und oben traf ich einen Skifahrer, welcher am Morgen wahrscheinlich vom Parkplatz kommend gleich an der Gaudeamushütte vorbeigewandert war.
Gegen Mittag machte ich mich dann an den Abstieg. Der Gipfel war schneefrei, weil dieser erst weiter unten anfing. Und da gingen die Probleme dann los! :-(
Kurz nachdem ich wieder auf dem verharschten Schnee war, machte ich auch schon eine Rutschpartie. Gott sei Dank nicht weit. Aber es reichte um mir meinen linken Handballen aufzuschrammen. Meine Moral hatte jedenfalls erstmal ein paar Minuspunkte einstecken müssen.
Nachdem ich meine Hand mittels Pflaster verarztet hatte und die Handschuhe als Schutz angezogen hatte ging es dann weiter.
Um den weiteren Weg auf dem Schnee bis ich wieder Steine unter mir hatte kurz zu machen:
Das Gefälle wurde immer steiler, wo es eigentlich lang geht hat man nicht mehr gesehen und dann die Unsicherheit vor Augen, daß wenn man ausrutscht nicht sicher sein konnte, ob und wann man auch dem Schnee wieder Halt finden würde.
Meine Moral nahm jedenfalls immer weiter ab und mittlerweile dachte ich ich nur noch daran heil herunter zu kommen.
Von weit oben sah ich unten jemanden, am voraussichtlichen Ende des Schnees, welcher scheinbar vor mir gegangen war. Scheinbar schien er auf mich zu warten, was mir zumindest wieder ein bißchen Auftrieb gab. Kurz bevor ich dort war, mußte ich natürlich noch mal ausrutschen und rutschte bei der Gelegenheit auch gleich noch über ein kleineres Steinfeld drüberweg, bevor ich in dem wieder darauffolgenden Schnee zum stehen kam.
Das Resultat: Das rechte untere Schienbein aufgeschabt und das linke Knie geprellt. Nichts desto Trotz war ich froh, daß ich von diesem steilen Schneefeld erstmal runter war.
Der Wanderer war übrigens eine Wanderin aus Rosenheim, vielleicht meines Alters, welche eigentlich in der Gegenrichtung durch das Ellmauer Tor wandern wollte. Sie hatte ihr Vorhaben jedoch abgebrochen. Als ich zurück sah, hätte ich bei dem Anblick auch wieder kehrt gemacht. Von der anderen Seite sah das jedenfalls wesentlich harmloser aus.
Der Rest des Abstiegs in der "Steinernen Rinne" bis auf reichlich 1400m war fast durchgängig mit Seilen abgesichert und war die reinste Erholung.
Als der Weg dann in den Highway zwischen der Griesener Alm und dem Stripsenjochhaus (1580m) mündete, trennten sich leider unsere Wege. Sie wollte wieder zurück nach Rosenheim und hatte ihr Auto an der Griesener Alm stehen. Sie bot mir noch an mich nach Ellmau zu fahren. Allerdings hatte ich ja noch 2 Tage bis zu meinem Treffen in Saalbach-Hinterglemm zu bestreiten.
Im Stripsenjochhaus angekommen zog ich mich erstmal um und genoß die Aussicht um zur Ruhe zu kommen. Bei der Gelegenheit stellte ich auch gleich fest, daß ich kein Bild von dieser Seite des Ellmauer Tores gemacht hatte. Das holte ich dann mehr recht als schlecht nach, indem ich ein Stück ohne Gepäck auf einen gegenüber liegenden Berg gestiegen bin. Nicht weit genug um richtig in das Tor zu sehen. Aber da kam dann auf dem Weg ein Batzen Schnee und so mußte das halt reichen.
Wieder zurück im Haus meldete ich mich erstmal an und bestellte was für das leibliche Wohl.
Wie es morgen weitergeht, muß man erstmal abwarten und hängt stark davon ab, wie sich mein linkes Knie entwickelt. Außerdem sollte das Wetter auch schlechter werden und eine nochmalige Überquerung des "Wilden Kaisers" fiel sowieso aus. Zumindest halt mit dieser Schneebedeckung.
Auf alle Fälle würde ich halt in den nächsten 2 Tagen um den "Wilden Kaiser" drumrum zurück zum Parkplatz laufen. Entweder östlich (lt. Karte größtenteils Highway) oder westlich (lt. Karte relativ gute Wanderwege).

27.5.97: Stripsenjochhaus (1580m) - Anton-Karg-Haus (829m) - Kaindlhütte (1293m)

Heute ist nicht viel passiert. Ich hatte mich für die östliche Route entschieden. So gegen 9.30 Uhr bin ich vom Stripsenjochhaus zum Anton-Karg-Haus (829m) abgestiegen. Mein Muskelkater, welcher sich inzwischen eingestellt hatte, machte mir das in die Gänge kommen etwas schwer. Aber er hatte keine Chance. Auch die Verletzung an meinem linken Knie hatte sich inzwischen für einen kräftigen blauen Fleck entschieden. Von der zwischenzeitlichen Schwellung des Knies ist nichts mehr zu sehen.
Vom Anton-Karg-Haus ging es dann über den Bettlersteig zur Kaindlhütte (1293m) wieder rauf, wo ich so gegen 13.30 Uhr angekommen bin. Nachdem ich erstmal Pause gemacht habe, hatte ich mich dann angemeldet und  meine Sachen erstmal in den Schlafraum gebracht.
Von hier aus hatte ich nun wieder 2 Möglichkeiten. Entweder über den  Schaffauer (2111m), wo man wieder nicht so genau wußte, was einem in Bezug  auf Schnee erwartet (schließlich ist man ja ein gebranntes Kind) oder  weiter um den "Wilden Kaiser" außen rum, was zwar bis zum Parkplatz, wo  mein Auto stand, ein ziemliches Stück zu laufen war, dafür aber keine  größeren Hindernisse zu erwarten waren.
Da ich in der Hütte scheinbar z.Z. sowieso der einzige Gast war, hatte ich  mich halt dazu entschlossen mal den Weg zum Schaffauer ohne Gepäck zu  erkunden. Also bin ich so gegen 15.00 Uhr los und bis 16.00 Uhr bis zu  einer Höhe von 1765m vorgedrungen. Ohne Gepäck war die Strecke bis dahin  auch recht gut zu begehen. Es lag kaum mal Schnee und wenn, war er doch  recht gut zu begehen. Trotzdem hätten einige Stellen mit dem Rucksack auf  dem Rücken recht schwierig werden können, so daß ich mich entschied morgen  den längeren Weg außen herum zu gehen. So gegen 17.00 Uhr war ich dann von meinem Ausflug zurück in der Kaindlhütte.
Im übrigen ist das schlechte Wetter heute ausgefallen. Manchmal sah es  zwar schon etwas bedenklich aus, aber insgesamt konnte man das Wetter als  heiter bezeichnen.

28.5.97: Kaindlhütte (1293m) - Walleralm - Gruttenhütte (1620m)- Gaudeamushütte (1260m)

Geweckt wurde ich von sehr unangenehmen Geräuschen. In der Nacht hatte es  angefangen zu regnen, welcher zeitweise sogar in Schnee überging.
Na ja. Schließlich war ja auch schlechtes Wetter angesagt und warum soll der Wetterbericht nicht auch mal recht haben.
Als ich ziemlich genau um 10 Uhr los bin, hatte es gerade aufgehört zu  schneien. An der Hütte ist alles gleich weggetaut gewesen. 50m höher sah  das Ganze schon anders aus. Eine leichte Schneebedeckung. Nicht viel,  sondern gerade mal so, daß es halt weiß aussah. Der "Wilde Kaiser" war nicht mehr zu sehen, so daß sich spätestens heute die Route über den  Schaffauer erledigt hätte.
Bis zur Walleralm, meinem westlichen Wendepunkt auf dem Weg um den "Wilden  Kaiser", hielt sich das Wetter recht gut. Dann begann es jedoch leicht zu  schneien. Na ja. Eigentlich war es ja auch eher Graupel, was da runter  kam.
Von der Walleralm folgte ich dem "Wilden-Kaiser-Steig". Ein paar kleinere  Abschnitte über frisch gefallenen Schnee ließen sich recht gut bewältigen.  So kam ich bis zur Gruttenhütte (1620m und gute Schneeverhältnisse). Der  letzte Teil des Weges (Gruttenweg) war wieder eine Autobahn und auch vom  Schnee beräumt worden. Die Gruttenhütte war noch bis zum 1.6. geschlossen,  was auch am Parkplatz gestanden hatte. Aber der Aussichtspunkt hatte mich  doch gereizt und so bin ich halt rauf.
Von dort aus ging dann ein Steig relativ direkt zur Gaudeamushütte. Den zu  finden war jedoch erstmal nicht einfach, da die Wege mit Schnee bedeckt  waren. Ich versuchte es halt trotzdem und verlor den Weg an einem Abhang  vielleicht 200m von der Hütte weg. Also zurück und einen anderen Weg  probiert. Der sah aber stark nach dem Jubiläumssteig aus und ist als  schwierig in meiner Karte eingezeichnet. Das wollte ich mir mit dem  Neuschnee dann doch nicht antun. Ich fragte dann noch mal ein paar Leute,  welche scheinbar zur Hütte gehörten und die meinten, daß es dort, wo ich  zuerst war runter gehen würde. Ich also noch mal hin und einen Schritt  näher an den Abgrund und was soll ich sagen; da war der Steig. Es ging  erstmal ziemlich steil nach unten, aber mit etwas Ruhe war der Weg trotz  stellenweisem Schneebesatz echt gut zu bewältigen. So bin ich dann nach 7 1/2h wohlbehalten in der Gaudeamushütte angekommen.
Auf der ganzen Strecke von der Kaindlhütte sind immerhin noch mal etwas  mehr als 1000 Höhenmeter zusammengekommen. Insgesamt waren es in den 3  Tagen 3410 Höhenmeter.

29.5.97: Abstieg von der Gaudeamushütte (1260m) zum Parkplatz (1050m)

Am Morgen nach dem Frühstück bin ich dann die paar Meter runter zum  Parkplatz und  habe mich in Richtung Saalfeld-Hinterglemm begeben, wo ja  der 2.Teil meines 1.Wanderurlaubes in diesem Jahr stattfinden sollte.

 

ih 29.10.2000 (10.2.2003)