Reisebericht Lechtaler Alpen (3.7. - 8.7.98)
 

3.7.: Aufstieg von Bach (1066m) zur Memminger Hütte (2242m)
       
(1175 Hm, Gehzeit: 5 h)

Nachdem ich in der vergangenen Nacht nach Bach (1066 m) angereist war, konnte es nun wieder los gehen. Leider habe ich auf der Fahrt nur schlechte Wetterprognosen gehört. Lediglich morgen soll es kurzzeitig etwas besser werden. Gegen 11 Uhr bin ich jedenfalls vom Parkplatz in Bach los. Das erste Stück des Weges zog sich ziemlich hin. Es ging das Madautal entlang auf einer schmalen Fahrstraße (asphaltiert/geschottert), wobei ich feststellen mußte, daß dieser Untergrund nichts für das Zusammenspiel zwischen meinen Füßen und den Wanderschuhen ist. Meine Fußballen brannten jedenfalls wie Feuer. Als ich dann endlich die Straße verlassen durfte, ging es dann allerdings auch meinen Füßen wieder besser. Vieleicht war ich aber auch nur durch den leichten Dauerregen abgelenkt, der nur selten mal eine Pause einlegte. Das Thermometer war inzwischen auch auf 5°C gefallen, was nicht gerade zu meinem Wohlbefinden beitrug, da ich einerseits von der Anstrengung schwitzte und andererseits anfing zu frieren. Aber so oder so bin ich halt gut in meiner ersten Hütte, der Memminger Hütte (2242 m) angekommen, welche ja im vergangenen Jahr meine letzte Unterkunft in den Lechtaler Alpen war. Ich denke ich werde in den nächsten Tagen den Fernwanderweg E4(alpin) bis zur Leutkirchener Hütte weiter laufen. 

4.7.: Memminger Hütte (2242m) - Ansbacher Hütte (2376 m)
        (1315 Hm, ca. Gehzeit: 7 h gemächlich)

Bei der morgentlichen Wetterschau (Blick durch's Fenster) wurde festgelegt, daß sich die letzten Wolken auch noch verziehen werden. :-) Als Auftakt bin ich gleich nach dem Frühstück erstmal ohne Gepäck (die Videokamera ist ja scließlich ein notwendiges Übel ;-)) auf den Seekogel (2412m). Von oben hat man einen recht guten Blick ins Parsaiertal, einer der 3 Ausläufer des Madautales. Nachdem ich nach 1h wieder unten an der Memminger Hütte war, schulterte ich meinen Rucksack und machte mich auf den Weg in Richtung Ansbacher Hütte. Als erstes mußte ich ca. 500Hm abwärts ans Ende vom Parsaiertal in ca. 1730m Höhe. Ab dort ging es dann durch's Langkar zur Grießlscharte in etwas über 2600 m Höhe. Unterwegs dorthin trag ich noch Wanderer, denen ich mich anschloß. Sie wollten auch zur Ansbacher Hütte und ich wußte auch nicht, was mich oben an Schneeresten erwartetet. Von der Memminger Hütte haben die Schneereste jedenfalls doch recht üppig ausgesehen. Auf dem Weg zur Grießlscharte ist uns schon aufgefallen, daß dort doch arg viel Leute hoch sind. Wenn die alle auch zur Ansbacher Hütte wollen, dann wird es dort doch arg eng. Aber es stellte sich schnell heraus, daß sie alle fast ausschließlich zu einem Gottesdienst in gut 2000 m Höhe wollten. Dort befindet sich noch eine Schäferhütte, wo die Leute alle hinpilgerten. Insgesamt bestimmt so ca. 20 - 30 Leute. Wir nutzten die Gelegenheit um dort Pause zu machen und sind dann weiter zur Grießlscharte, wobei sich das letzte Stück doch als arge Kletterei rausstellte. Dafür verloren die Schneereste bei näherem Hinschauen an Schrecken. Einmal konnte man meist daneben langgehen und die nötigen Querungen machten auch keine Schwierigkeiten, da im Schnee gut Tritte zu legen waren. Weiter ging es dann mal südlich, mal nördlich über das Winterjoch (2528 m) und über die Kopfscharte zur Ansbacher Hütte (2376 m). Größere Höhenunteschiede aren dabei nicht mehr zu bewältigen. Vielmehr ging es größtenteils durch Geröllfelder gemächlich abwärts. Das Wetter war übrigens den ganzen Tag lang super. :-) 

5.7.: Ansbacher Hütte (2376 m) - Kaiserjochhaus (2310 m) - Leutkirchener Hütte (2261 m)
       
(810 Hm, Gehzeit: 6,5 h)

Der erste Blick nach draußen sagte mir: wolkig, aber nicht hoffnungslos. Zumindest regnete es schon mal nicht. Ich machte mich dann so gegen 8:15 Uhr auf den Weg zum Kaiserjochhaus. Dazu führte der Weg über das Flarschjoch (2464 m) zunächst einmal zum Alperschonjoch, wo eine Unterstandshütte stehen sollte. Ob das, was dort stand die Unterstandshütte sein sollte, war mir allerdings nicht ganz klar. Warscheinlich waren es nur die Reste davon. Weiter führte der Weg über den Theodor-Haas-Weg, der doch schon lt. Wanderführer als schwierig eingestuft ist. Jemand in der Ansbacher Hütte meinte sogar, daß er mit dem Schwierigkeitsgrad II eingestuft ist. Es waren dort einige Erosionsrinnen zu überwinden, welche teilweise schon ein hohes Maß an Trittsicherheit erforderten. Schwindelfreiheit selbstverständlich natürlich auch. Glücklicherweise waren die Steine dort wenigstens einigermaßen trittfest, auch wenn sie feucht waren. Auch gab es im Fels reichlich Spalten wo man sich gut festhalten konnte, so daß ich mich lieber dort festhielt, als an der Seilversicherung, die für das Festhalten vielfach auch zu locker war, so daß man eher erstmal ein Stück gefallen wäre. Weiter ging es dann oberhalb des Vordersees (2250 m) relativ steil hinauf zum Hinterseejoch (2482 m). Nach kurzem steilen Abstieg ging es dann nördlich der Apperiesspitze durch Geröll zur Krindlonscharte (2371 m), wo ich erstmal Pause machte. Die letzte Etappe zum Kaiserjochhaus führte mich dann südlich des Grießkopfes am Hang entlang, was keine größeren Schwierigkeiten mehr machte. Mit einer Ausnahme: Ich stand vor einer mit Restschnee gefüllten Erosionsrinne und auf der anderen Seite etwas oberhalb war die Fortführung des Weges zu sehen (mit Markierung). Wie man dort hinkommen sollte, war nicht ganz ersichtlich. Jedenfalls war es verdammt eng am Felsen und der Schnee ca. 3 m tiefer lud auch nicht gerade zum drauffallen ein, zumal er ziemlich steil war. Trotzdem wagte ich den Weg in der Gewißheit, daß es auch der richtige Weg ist. Ich war ganz froh, als ich unbeschadet auf der Fortführung des Wanderweges ankam. Auf der anderen Seite sah ich eine Markierung, daß die Rinne unterhalb umgangen werden sollte. Runter hätte ich die Stelle wo ich gerade hoch war, aber auch nicht gehen wollen. Das wäre mit hoher Warscheinlichkeit nicht gut gegangen, zumal keinerlei Seilversicherungen vorhanden waren. Im Kaiserjochhaus (2310 m) dann angekommen war dann erstmal eine größere Pause angesagt, wo ich mir eine Erbsensuppe mit Wurst hab schmecken lassen. Der Hüttenwirt erzählte mir als ich ihm das von der oben beschriebenen Stelle erzählte, daß der Weg dort abgerutscht war und der jetzige Weg unten herum geht. Der Weg wird wahrscheinlich dieses Jahr wieder instand gesetzt. Von der Ansbacher Hütte zum Kaiserjochhaus habe ich genau wie im Reiseführer angegeben 4,5 h gebraucht. Der weitere Weg zur Leutkirchener Hütte (2261 m) führte größtenteils durch Almwiesen über gute Wege oder über gut ausgetretene Geröllwege.
Das Wetter ist im Laufe der Tour eigendlich immer besser geworden und inzwischen ist sogar schon der hohe Riffler auf der anderen Seite des Tales in der Verwallgruppe wieder frei von Wolken. Auch die Sonne war auf dem Weg schon ab und zu zusehen. Auf der Hütte habe ich erfahren, daß die Ulmer Hütte noch geschlossen ist. Die Homepage des DAV ist leider wohl doch nicht so aktuell wie gedacht. :-( Danach sollte sie ab 1.7. geöffnet sein. Jedenfalls mußte ich jetzt erstmal sehen, wo es morgen hin geht. Warscheinlich halt gleich in die Verwallgruppe.

6.7.: Leutkirchener Hütte (2261 m) - Valvagehrjoch (2543 m) - Ulmer Hütte (2279 m) - Rauz (ca.1650 m) - Kaltenberghütte (2089 m)
       
(1020 Hm, Gehzeit: 7 h)

Gestern hatte ich mich entschieden, daß ich bei meinem geplanten Weg bleibe und die Ulmer Hütte einfach überspringe. Geplant ist dabei eine Gehzeit von 8,5 h (zur Ulmer Hütte 3,5h, Abstieg nach Rauz 2 h und Aufstieg zur Kaltenberghütte 3 h). Um 8:15 Uhr gings bei gutem Wetter los. Der Weg führte über teils ausgesetzte Wege südlich unterhalb der Weißschroffensitze und der Knoppenjochspitze rauf zum Valvagehrjoch (2543 m). Oben lag noch ein relativ großes Schneefeld, welches sich allerdings gut queren ließ, da kaum Gefälle vorhanden war. Auf dem folgenden Abstieg zur Ulmer Hütte (2279 m) kam ich mir leider vor, als wenn ich über eine Baustelle wandern würde. Scheinbar hatte man dort vor kurzem noch gebaut und eine Gasleitung verlegt und man lief, wenn nicht über Schneefelder über aufgeweichten Kies. (3,5h) Von der Ulmer Hütte entlang des Valfagehrbaches nach Rauz (ca. 1650 m) ging man gleichmäßig abwärts, immer einer Skipiste folgend. (1,5h)

In Rauz machte ich erstmal Pause und warf meine langen Sachen von mir, welche ich immer noch an hatte und verpaßte mir eine Ladung Sonnenschutz, welchen ich aber beim folgenden Aufstieg zur Kaltenberghütte warscheinlich ausgeschwitzt habe. Der Weg führte nach kurzem Anstieg auf Wiesenwegen in Serpentinen (200 Hm) gemächlich steigend am Hang entang bis zur Kaltenberghütte (2089 m) auf dem Paul-Bantin-Weg. Für diese letzte Etappe brauchte ich nochmal ca. 2 h, so daß ca. 7 h Gehzeit zusammen gekommen sind. 

7.7.: Kaltenberghütte (2089 m) - Joch (2650 m) - Kaltenbergsee (2506 m) - Gstandsjöchli (2573 m) - Konstanzer Hütte (1700 m)
       
(960 Hm, Gehzeit: 7h)

Heute sollte es nun zur Konstanzer Hütte gehen. Das Wetter sah hervorragend aus. Allerdings mit dem Wermutstropfen, daß es im Laufe des Tages schlechter werden sollte. Das erste Stück des Weges ging relativ eben über Wanderwege bzw. größere Steine. Später wurde es dann auf dem Weg zum Joch zwischen Satteinser Spitze und Krachelspitze steiler und teilweise auch rutschiger, da das Geröll feiner wurde und mit Sand durchsetzt war. Auch waren ein paar Schneefelder zu überwinden. Kurz bevor ich das Joch erreicht hatte, hüllte mich ziemlich dichter Nebel ein und ich sah keine Markierungen mehr. Ich kann im nachhinein nicht mehr sagen, ob ich den Weg nur wegen dem Nebel verloren oder schon kurz vorher eine Abzweigung übersehen hatte. Durch die Schneefelder mußte man manchmal den gekennzeichneten Weg verlassen um an anderer Stelle besser rüber zu kommen oder das Schneefeld halt ganz zu umgehen. Wenn einem in so einem Moment dichter Nebel einhüllt, steht man ziemlch dumm da. In dieser Situation befand ich mich halt, als auch noch ein Blitz irgendwo aufleuchtete. Da mein Höhenmesser 2600 m anzeigte und das Joch ca. 50 Hm über mir sein sollte, entschloß ich mich auf Grund des Gewitters wieder abzusteigen. Da ich den markierten Weg nicht mehr fand suchte ich mir selbst einen Weg durch das Sand/Geröll-Gemisch nach unten. Orientieren konnte ich mich bei kurzen Auflockerungen im Nebel, so daß ich sicher war auf den großflächigen Geröllfeldern zu bleiben und nicht auf einer der wenigen steil abbrechenden Felsen zu landen. Als ich bis auf 2500 m abgestiegen war, löste sich der Nebel plötzlich auf. Im Umfeld waren auch keine Nebelbänke mehr zu sehen und der Blitz welchen ich gesehen hatte, war ein Unikat geblieben. Als ich auch noch die Markierungen des Weges sah, entschied ich mich zu einem 2. Versuch. Ich fand dann auch die Stelle, wo ich vorher den Weg verloren hatte. Ich war vor einem Schneefeld nach links gelaufen und hätte rechts in die Felsen kletter müssen. Das letzte Sück bis zum Joch (2650 m) war dann nicht mehr schwer und führte über feste Felsbrocken und über Schnee ohne größere Neigung. Damit hatte ich dann den ersten von zwei Bergkämmen errecht und stieg zum Kaltenbergsee (2506 m) ab, welcher noch teilweise zugefrohren war. Nach Querung des Auslaufes des Sees, zu dem sich auch noch das Wasser des Kaltenberggletschers gesellte, ging es dann hinauf zum Gstandsjöchli (2573 m) anfangs über Felsbrocken, später auf immer steiler werdenden Serpentinen, wo man aufpassen mußte, daß man nicht auf lockere Steine trat und abrutschte. Jedenfalls bin ich dort ach insgesamt 5 h Gehzeit angekommen und eigendlich wäre eine größere Pause überfällig gewesen, aber da es gerade anfing zu regnen, fiehl die Pause buchstäblich ins Wasser. Der Abstieg zur Konstanzer Hütte (1700 m) gestaltete sich dann relativ einfach. Es ging ziemlich direkt abwärts über Almwiesen, meist weglos und nur die letzten 100 Hm durchgehend auf Wanderwegen. So wie ich gehört habe, soll es morgen evtl. schneien, so daß ich erst morgen entscheide, ob ich zur Darmstädter Hütte weiterlaufe oder einen Hüttentag einlege. Immerhin muß ich über das Kuchenjöchli (2730 m) und anschließend den Kuchengletscher queren.

8.7.: Konstanzer Hütte (1700 m) - Abstieg

Nach einigem hin und her habe ich mir heute überlegt, daß ich meine Wandertour hier beenden werde. In der Nacht hatte es angefangen zu schneien und die Grenze, wo der Schnee liegen blieb kam immer näher. Selbst auf dem Dach des Winterraumes der Hütte blieb schon langsam der Schnee liegen. Wenn man bedenkt, daß ich mich selbst nicht allzuhoch befand, war nicht abzusehen, daß der Schnee weiter oben auf dem Bergen in den nächsten 2 Tagen verschwinden würde. Auch war kein besseres Wetter angesagt, was mich zu der Erkenntnis brachte, daß es mehr bringen würde noch ein paar gute Freunde zu besuchen. In der Hütte war noch ein Ehepaar, welche mich von einem Parkplatz unterhalb der Hütte mit ihrem Auto nach St.Christoph und über den Flexenpaß ins Lechtal mitnahmen. Das letzte Stück das Lechtal nach Bach entlang bin ich dann auch noch gut per Anhalter weggekommen.

Tschau, Ingo
 

ih 11.10.00 (12.2.2003)