Verwallgruppe (6.9. - 9.9.1999)


6.9.: Anreise nach Ischgl (1376m) - Madleinsee (2437m) - Doppelseescharte (2786m) - Darmstädter Hütte (2384m)
       
(1450Hm + 240Hm ohne Gepäck, 6:30h)
 
Pünktlich zum Tagesanbruch, also 0 Uhr ;-), ging es zu Hause los. Allerdings erstmal mit einem Fehlstart, da ich mir unterwegs überlegt habe, daß es wohl doch besser gewesen wäre die Wanderschuhe mit ins Auto zu legen. :-(
Also noch mal ca. 50 km zurück und die Wanderschuhe geholt.
Nachdem es danach also dann wirklich losgehen konnte, kam ich dann auch recht gut bis nach Ischgl (1376m), wo ich so gegen 12:30 Uhr ankam und mein Ausgangspunkt für meine Tour war.

Ziel für heute war die Darmstädter Hütte, welche mit einer Wegeszeit von 5 bis 5,5h ausgeschildert war und ich somit gegen 18 Uhr dort sein sollte.
Anfangs führte der Weg über Forststraßen, dann über Almen, welche meist trocken, manchmal aber auch morastig waren. Der bessere Wanderweg, welcher parallel führte war wegen Sprengungen gesperrt, was jedoch von unten nicht ausgeschildert war und ich nur durch die Sperrschilder am oberen Ende mitbekam. Vielleicht bin ich aber auch nur schon vor den Sperrschildern auf den anderen Wanderweg abgebogen. Oben trafen sich jedenfalls wieder beide Wege und führten mich bis hinauf zum Madleinsee (2437m). Der Weg war recht gut und führte anfangs ordentlich bergauf, wurde jedoch zum Schluß flacher.
Als ich am See angekommen war, war ich doch schon leicht kaputt gespielt und hatte ein Problem. :-(
Nein, nicht die Kondition, sondern ich fragte mich wo meine Hosenbeine von meiner Zip-Hose waren. Bei mir reifte dann sehr schnell der Verdacht, daß ich sie weiter unten liegen gelassen hatte, wo ich sie als Sitzunterlage bei einer Rast verwendet hatte. Dumme Sache das, da ich die Hose ohne die Hosenbeine schlecht weiterhin zum Wandern nutzen konnte. Jedenfalls nicht ohne zusätzlich noch eine lange Hose mitnehmen zu müssen und um das nicht zu müssen hatte ich sie ja schließlich.
Also entschloß ich mich für ein paar zusätzliche Höhenmeter und stieg noch einmal im Eilschritt bis auf 2195m ab, wo ich dann meine Hosenbeine glatt gebügelt auf einem Stein wiederfand. Sie hatten sich aber auch wirklich optimal farblich in die Umgebung eingepaßt, so daß man sie kaum sah.
Glücklich meine Utensilien wieder beisammen zu haben, machte ich mich wieder an den Aufstieg zum Madleinsee, wo sich inzwischen 2 andere Wanderer niedergelassen hatten, welche sich vielleicht über den herrenlosen Rucksack gewundert hatten, der verlassen neben dem Weg stand und den ich natürlich oben gelassen hatte.
Also den Rucksack geschultert und den nächsten Wegabschnitt zur Doppelseescharte (2786m) in Angriff genommen. Oben angekommen war ich nun doch langsam kräftemäßig am Ende und ich freute mich, daß es ab nun bergab gehen sollte. Die andere Seite des Bergrückens war im Anfang überhaupt nicht mehr einfach zu laufen: reichlich Geröll, rechts ein Gletscher und öfters mal Steine von oben. Dazu war es auch noch verdammt steil. Markierungen waren zwar ansatzweise vorhanden, führten aber meistens ins Nichts. Wer weiß, wo die Markierungen hingerollt waren.
Nach einer Weile gab ich es jedenfalls auf nach weiteren Markierungen zu suchen , da die Hütte schon von der Scharte zu sehen war. Außerdem waren Spuren auf einem Schneefeld unter mir deutlich auszumachen und so stieg ich also in dem Geröll und den losen Steinen frei ab, was ziemlich viel Kraft kostete, da ich ja keine Steinlawiene lostreten wollte, in der ich dann mitten drin gewesen wäre.
Endlich unten angekommen ging es dann über das Schneefeld, an dessen Ende dann auch wieder der Weg auszumachen war. Der zog sich dann am Talschluß im weiten Bogen bis zur Darmstädter Hütte (2384m), wo ich dann so gegen 19:30 Uhr angekommen bin. Ich brauchte jedenfalls noch keine Taschenlampe um den Weg zu finden.
Nachdem ich mich in der Hütte umgezogen hatte bekam ich dann sogar noch essen (Spagetti Bolognaise). An den Enden waren sie nur noch etwas hart. Vielleicht hätte man sie vollständig in's Wasser tun sollen.


7.9.: Darmstädter Hütte (2384m) - Schneidjöchli (ca. 2800m) - Kieler Wetterhütte auf 2800m - Niederelbehütte (2310m)
       
(855Hm, 5:15h)

In der Nacht hatte es geregnet. Vielleicht war das ja der Regen, welcher für heute angesagt war. Vom Tal zog allerdings noch einiges an fetten Nebelschwaden hoch, so daß man es mit dem Abmarsch nicht so eilig hatte.
So gegen 9:30 Uhr setzte ich mich dann aber doch zur Niederelbehütte in Bewegung.
Der erste Teil des Weges führte mich den Talschlußweg vom Vortag zurück, hatte kaum Steigung oder Gefälle und war genau richtig zum warm werden. Anschließend ging es dann aber doch ziemlich steil in den Fels , wobei der Weg gut zu laufen war wenn die Kondition stimmte. Nach einem Zwischenstück mit Querung einiger Schneefelder ging es dann weiter in einem längeren Anstieg zum Schneidjöchli (ca. 2800m).
Oben angekommen machte ich erstmal mit zwei weiteren Wanderern, welche den gleichen Weg hatten, ein ausgiebige Pause. Der Versuch der Besteigung der Saumspitze endete nach wenigen Metern, da zu gefährlich (kein Weg und zu steil).
Nach der Pause machten wir uns gemeinsam an den Abstieg über den Hoppe-Seyler-Weg bis auf 2450m und querten dann unterhalb des Bergmassivs Saumspitze-Fattlerspitze. Dabei waren einige Schneefelder zu überwinden, welche seitwärts doch ziemlich steil abgingen. Da sie aber schon gespurt waren, war der Weg trotzdem recht gut zu begehen. War die Querung anfangs noch ziemlich auf gleicher Höhe bleibend, wurde er später etwas steiler, führte aber immer auf Trittpfaden entlang.
Bei ca. 2600m kommt dann der Weg von Ischgl-Versahl hoch und der Weg geht ab dort steil bergan zur Kieler Wetterhütte auf 2800m. Die Stöcke läßt man dabei lieber am Rucksack, denn der Weg artet doch teilweise in eine mäßige Kletterei aus, wo man mit den freien Händen mehr anfangen kann.
An der Wetterhütte haben wir dann erstmal eine kurze Pause eingelegt. In der Hütte war sogar ein Stempel zu finden, allerdings kaum noch Farbe im Stempelkissen, wodurch der Stempel auch nicht viel brachte.
Das Wetter wurde nachdem es bisher den Tag über recht sonnig gewesen war nun doch wieder zunehmend schlechter und mahnte zur Eile.
Von oben hat man bereits einen guten Überblick auf den folgenden Abstieg und man kann sogar schon die Zwischenstation der Materialseilbahn zur Niederelbehütte sehen.
Der anfänglich steile Abstieg verlangt viel Konzentration. Später wird der Weg dann flacher und zum Ende auf dem Weg zur Seilbahnzwischenstation (Seßgratjoch, ca. 2330m) leicht steiler werdend bergauf. Vom Joch geht es dann auf direktem Wege hinab zur Niederelbehütte (2310m).


8.9.: Niederelbehütte (2310m) - Schatzgrubenscharte (2697m) - Edmund-Graf-Hütte (2408m)
         anschl. Gipfelbesteigung Hohen Riffler (3168m)
       
(6h, 1335Hm)

Am Morgen war es noch ziemlich diesig. Meine Erfahrungen sagten mir jedoch, daß es ein schöner Tag werden würde und so ging es nach dem Frühstück gegen 8:15 Uhr mit dem Ziel Edmund-Graf-Hütte los.
Nach kurzem Abstieg entlang dem Kieler Weg ging es dann in relativ gleichbleibender Höhe auf absolut unkomplizierten Wanderpfaden den Hang entlang. Nach ca.15 Minuten mußte ich jedoch schon wieder eine kurze Pause einlegen um meine Jacke auszuziehen und mich dafür mit Sonnencreme einzuschmieren.
Vor mir lief noch ein Pärchen, welches noch am Nachmittag auf den Hohen Riffler wollte. Mir erschien das das aber als zu anstrengend nach dem Übergang zur Edmund-Graf-Hütte gleich anschließend noch mal 760 Hm hoch und wieder runter zu steigen. Trotzdem hatte ich den Gedanken noch nicht ganz verworfen und ich versuchte die 5 Minuten, welche die beiden vor mir liefen aufzuschließen. Allerdings hatte ich damit keinen Erfolg, da sie doch ein ziemlich hohes Tempo vorlegten.
Der flache Weg am Hang entlang wurde dann langsam steiler und führte dann letztendlich steil in Serpentinen hinauf zur Schatzgrubenscharte (2697m). Weiter ging es dann über den Rifflerweg in Geländestufen abwärts, wobei der Weg meist gut zu gehen war und nur manchmal über Felsbrocken führte.
Am Schatzgrubensee angekommen, kann man oben schon mal einen herrlichen Blick von oben auf die Edmund-Graf-Hütte (2408m) werfen, welche noch weit unten liegt.
Von diesem Aussichtspunkt führt der Weg noch einmal steil bergab und führt zum Ende hin flacher werdend zur Hütte.
Bei den für die Etappe angegebenen 4h Wegzeit habe ich lediglich 3h benötigt, wobei ich allerdings keine Pausen eingelegt hatte und nur kurz zum Trinken und Filmen angehalten habe.
Das Pärchen war schon nicht mehr da, zumal zum Schluß der Vorsprung auch größer geworden werden sollte, da ich am Aussichtspunkt erstmal eine etwas längere Filmpause eingelegt hatte.
Die Leute mit welchen ich dann in der Hütte am Tisch gesessen hatte planten auch noch auf den Hohen Riffler aufzusteigen, waren aber noch nicht alle in der Hütte angekommen. Als dann aber alle da waren und sie sie entschieden noch hoch zu laufen, schloß ich mich kurzer Hand an.
Nachdem ich meinen Rucksack ausgemistet hatte und er nur noch die Wettersachen, Verbandszeug, meine Kamera und etwas zu Trinken dabei hatte, ging es dann gegen 14 Uhr los.
Der Weg führte nur kurz über Plattengestein und Wiesen, später über grobe Felsblöcke und im oberen Teil über Serpentinen bis hinauf zum Gipfel in einer Höhe von 3168m. Für den Aufstieg haben wir dabei etwa 2h gebraucht.
Auf dem Gipfel wurde erstmal ein entsprechendes Foto gemacht und mit der Videokamera wurde die Umgebung festgehalten. Und natürlich durfte der Eintrag ins Gipfelbuch nicht fehlen. :-)
Für den Abstieg haben wir dann lediglich 1h gebraucht, wobei ich mich von dem Eilabstieg der anderen habe mitreißen lassen was eigentlich wirklich nicht nötig gewesen wäre. :-(
Den ganzen Tag über hatte ich heiteres Wetter mit relativ wenigen Wolken.


9.9.: Edmund-Graf-Hütte (2408m) - Paznauntal - Abreise von Ischgl

Tja, am Ende der Verwallgruppe stand nun die Frage, wo es weitergehen sollte. Ich konnte mich bis zur letzten Minute nicht entscheiden und bedauerte wieder einmal alleine unterwegs zu sein.
Da ich ja aber irgendwo hin mußte, ging ich in Richtung Paznauntal um evtl. ins Nachbargebirge, der Samnaun-Gruppe zu wechseln.
Irgendwie hatte ich dann aber Probleme überhaupt das letzte Stück ins Tal hinunter zu kommen, da ich keinen Weg durch die steilen Almwiesen fand. So machte ich noch einen ziemlichen Umweg über Stockach auf der Fahrstraße entlang.
Mit der Zeit bekam ich dann massive Knieprobleme und ich entschloß mich das Tal entlang zum Auto zu laufen und die Tour damit zu beenden. Vielleicht waren die Knieprobleme ja die Quittung vom gestrigen Eilabstieg vom Hohen Riffler oder auch Nachwirkungen vom ersten Tag, wo ich die Hosenbeine von meiner Wanderhose liegen gelassen hatte und ich beim Abstieg auch nicht gerade zimperlich zu meinen Knien war. Tja, und so lernt man halt immer mal wieder was dazu. :-/

An Höhenmetern ist heute nichts wesentliches zustande gekommen, da ich fast nur abgestiegen bin.
Gegen 18 Uhr bin ich dann in Ischgl bei meinem Auto angekommen und wurde sogar vom Glockengeläut begrüßt. Ich war jedenfalls froh es geschafft zu haben und meine Knie entlasten zu können.

Nachdem ich mich ausgeruht hatte ging es anschließend zurück nach Cottbus.
 

ih 6.7.2001 (12.2.2003)