Watzmann-Überschreitung (30./31.8.2005)                 <Karte>
(Höhenangaben sind GPS-Höhen / Auf und Abstiegsdaten vom Höhenmesser)

In Anbetracht, daß ich in diesem Jahr es noch nicht ein Mal geschaft habe in die Alpen zu kommen und daß ich im September im Iran den Damavand (5671m) besteigen will, habe ich mich doch zu einem kleinen Gewaltakt entschieden und die Watzmann-Überschreitung angegangen.
Ein Gewaltakt eher in Bezug auf die Zeitplanung, da ich am 29.8. bis 22 Uhr noch Spätschicht hatte und am 1.9.schon wieder zur Frühschicht mußte. Aber ein Mal sollte ich im Vorfeld meines Iran-Urlaubes doch wenigstens über 2000m gekommen sein.

30.8.: Anreise / Aufstieg von der Wimbachgriesbrücke(615m) zum Watzmannhaus(1908m)
         (Aufstieg: 1247Hm, Abstieg: 0Hm, Zeit: 3h  )

Ich machte mich also nachdem ich meine Sachen zusammengepackt hatte von Schleusingen aus auf ins Berchdesgadener Land, wo ich nur gebremst durch ein paar leinere Staus so gegen 14:30 Uhr in Ramsau auf dem Parkplatz (615m) an der Wimbachgriesbrücke angekommen war. Erste Amtshandlung war erstmal die 5 EUR in Münzen für den Parkautomaten zu bekommen (Pro Tag: 2,50 EUR). Der Kiosk hatte leider kein Kleingeld und auch das dortige Gasthaus hatte ausgerechnet am Dienstag Ruhetag. Glücklicherweise fand ich aber noch einen Geld-Wechselautomaten, der mir meine Münzen gab.
Also: Parkschein gelöst, Schuhe gewechselt, Rucksack geschultert und die Tour konnte so gegen 14:30Uhr beginnen. :-)
Der Weg führt im ersten Teil über einen gut ausgebauten Wanderweg (Highway, aber glücklicherweise noch nicht asphaltiert) stetig bergauf. Später geht der Weg dann langsam in einen guten Wanderpfad über. So gut der Pfad aber auch war, heißt es aber nicht, daß man sich nicht verletzen kann. Unachtsam, wie man nur ist, wenn es völlig unkompliziert ist, bin ich doch glatt gestolpert und konnte mich auch nicht mehr abfangen, so daß ich mir mein linkes Schienbein ordentlich ledierte. Die Hose hatte nebenbei auch noch gleich ein Dreiangel abbekommen. Na ja, besser dort unten stolpern, als am nächsten Tag bei der Überschreitung. Zum Schluß des Weges zum Watzmannhaus wurde es noch einmal recht steil. Aber das Ziel lockt und so merkt man eigendlich gar nicht mehr die 1247Hm, welche man bei der Ankunft gegen 17:30Uhr am Haus gerade aufgestiegen war.
Dort bezog ich dann erstmal mein Lager, bevor ich mich meinem Abendbrot und einem köstlichen Weißbier widmete. Anschließend genoß ich dann noch den herrlichen Ausblick von der Terasse. Beim Abendessen hatte ich auch noch 2 andere Bergsteiger (Wolfgang und Kurt) getroffen, welche die Übeschreitung auch am nächsten Tag angehen wollten. Wie bei mir übrigens auch ihr 3.Versuch.
Wie der Hüttenwirt mir am Abend berichtete, sahen die Wetterprognosen für den nächsten Tag für eine Watzmannüberschreitung gut aus.
 

31.8.: Watzmannüberschreitung: (Watzmannhaus(1908m) - Hocheck(2650m) - Mittelspitze(2705m) - Südspitze(2707m) - Wimbachgrieshaus(1337) - Wimbachgriesbrücke(615m)
          (Gesamt: Aufstieg: 1031Hm, Abstieg: 2268Hm, Zeit: 14,5h)
          (bis Wimbachgrieshaus: Aufstieg:1025, Abstieg:1581Hm, Zeit: 9,5h)

Um 6:30 Uhr war die Nachtruhe beendet. Unten im Tal lag ein wunderschöner Wolkensee und der Tag versprach echt schön zu werden.
Nach dem Frühstück ging es dann gegen 7:15Uhr los, nachdem ich beinahe noch vergessen hatte meine Wasserflasche aufzufüllen. Dadurch waren die anderen beiden Bergsteiger allerdings schon vorgelaufen. War allerdings kein Problem, da ich die Strecke zum Hocheck ja schon kannte.
Nach einem kurzen Abstieg (wenige Meter) ging es zunächst einmal auf einem guten Wanderpfad bergauf in Richtung Hocheck. Unterwegs verschwand der Weg immer mehr, bis die Strecke komplett weglos wurde. Auch die Markierungen folgten keinem bestimmten Pfad mehr, so daß es einfach hieß: 'Es geht zum Gipfel, also bergauf und den Massen nach'.
Als ich gegen 9:15Uhr am Hocheck angekommen bin, legte ich erstmal eine längere Pause ein. Viel Platz gab es allerdings nicht, da doch reichlich Leute bei dem schönen Wetter unterwegs waren. Nicht nur die Leute, welche die Watzmannüberschreitung wagen wollten, sondern auch die anderen, welche vom Hocheck wieder absteigen wollten.
Nach der Pause legte ich mir erstmal den Gurt und das Klettersteigset an, bevor es um 9:35Uhr weiterging. Ab nun sollte man die Neren schon beisammen halten auch wenn der Weg gut gesichert war. Das Klettersteigset hängte ich nur bei Bedarf ein. Ohne Klettersteigset sollte man die Tour allerdings wirklich nicht machen, da einige Stellen doch dazu geeignet sind sich ersthaft Schaden zuzufügen. Auf der gesamten Strecke de Überschreitung hatte ich eigendlich nie Angst, daß ich abstürzen könnte; aber doch Respekt in der Art: 'Wenn ich jetzt abrutsche finde ich mich dort wieder'.
An der Mittelspitze traf ich um 10:25Uhr die anderen beiden bei der Pause dann wieder.
Nachdem die Gipfelfotos im Kasten waren, ging es dann kurz darauf gemeinsam weiter zur Südspitze. Zunächst ging es erstmal steil bergab. Auf dem weiteren Weg zur Südspitze gibt es dann eine Stelle, an der es wirklich direkt neben dem schmalen "Pfad" rechts und links senkrecht in die Tiefe ging. Ich war jedenfalls froh, daß es fast Windstill war, denn sonst wäre die Stelle wirklich sehr gefährlich gewesen, da das Sicherungsseil lediglich am Boden langlief und man rein garnichts in greifbarer Nähe zum festhalten hat, wenn nicht über den Boden robben will. ;-)
Nachdem wir diese Stelle dann auch wohlbehalten bewältigt hatten, ging es dann wieder steil bergauf zur Südspitze, wo wir um 12:10Uhr ankamen und erstmal wieder Pause angesagt war. Die obligatorischen Gipfelfotos durften natürlich auch nicht vergessen werden.
Nach einer langen, knapp 1-stündigen Pause machten wir uns dann um 12:55Uhr an den langen Abstieg ins Wimbachgriestal, wobei ich noch ein Problem mit meinem Wasservorrat bekam. Der ging nämlich stark zur Neige. 1 Liter ist halt doch zu wenig für den langen Weg über den Grad.
Der Abstieg war nicht gerade leichter, als die Überschreitung. Steile Kletterei wechselten sich mit rutschigen Stellen durch feines Geröll auf festem Untergrund ab, was einem durchgängige Konzentration abverlangte. Bei dem Abstieg ist evtl. auch ein Helm sinnvoll, um vor losgetretenen Steinen nachfolgender Bergsteiger geschützt zu sein. Allerdings hatte ich keinen mit, kam letztendlich aber trotzdem gesund unten an. :-/
In einer Höhe von 1860m entspingt ein Bach (Schönfeldgraben), der wir wirklich sehr gelegen kam, um meine Trinkflasche aufzufüllen, als wir dort um 14:50Uhr ankamen. Mein Mund war doch zwischenzeitlich arg ausgetrocknet. Da die Quelle an einer kleinen grünen Hochebene liegt, eignet sich der Platz auch hervorragend für eine Pause, was wir natürlich auch nutzten, bevor wir uns ca. 1/4h später an den weiteren Abstieg ins Tal machten, der auch bis dorthin hinunter volle Konzentration erforderte.
Im Tal kurz nach 16 Uhr angekommen ging es im Flußbett entlang noch ein gutes Stück zur Wimbachgrieshütte, wo wir ca. 1/2h später um 16:40Uhr ankamen.
Die Wimbachgrieshütte ist ein Naturfreundehaus und wie ich dort erfuhr, gibt es in Deutschland kein gegenseitiges Abkommen mit dem Alpenverein zur gegenseitigen kostengünstigen Nutzung durch Mitglieder der Vereine, wie es das in Östereich gibt. Störte mich aber nicht wirklich, da ich sowieso dort nicht übernachten wollte und es nicht einmal Kaiserschmarrn gab, womit ich mich eigentlich selbst belohnen wollte.
Trotzdem legte ich nach dem anstrengenden Teil des Tages erstmal mit den anderen eine ausgiebige Pause ein, um uns zu stärken. Sie blieben dann planmäßig auch zur Übernachtung im Haus, was ich unter normalen Umständen sicherlich auch getan hätte. Allerdings mußte ich ja am nächsten Tag morgens wieder zur Arbeit erscheinen.
Ich ging dann also nach einer sehr ausgiebigen Pause recht spät um 19:35Uhr in Richtung Auto los. Den Weg kannte ich ja schon von früheren Touren und wußte, daß man ihn auch bei Dunkelheit probemlos bewältigen konnte. Er zieht sich halt recht lang hin und artet in eine reine Fleißarbeit aus. Im oberen Teil, vom Wimbachgrieshaus weg, läuft man zunächst im Flußbett entlang, bevor der Weg dann daneben als breiter Wanderweg weitergeführt wird und ich dann gegen 21:45Uhr doch ziemlich erschöpft an meinem Auto ankam.
Ich verstaute dann auch zügig meine Wandersachen und machte mich auf die Rückfahrt nach Schleusingen, wo ich dann auch nach zwei 20-minütigen Schlafpausen gegen 4:30 Uhr ankam und noch ein für ein kurzes Nickerchen im Schaukelstuhl hatte, bevor ich pünktlich um 6 Uhr zum Schichtbeginn auf Arbeit erschien. Zugegeben nicht allzu munter und mit einem ordentlichen Muskelkater in den Beinen.
 

 

ih 22.4.2006