Zillertaler Alpen - Berliner Höhenweg (16. - 18.9.2007)
 


Irgend jemand wollte mir wohl die Tour nicht gönnen.
Um vor meiner Kibo-Tour schon mal etwas Höhenluft zu schnuppern hatte ich mir den Berliner Höhenweg ausgesucht, wo ich zumindest schon mal die 3000er Marke erreichen würde. Allerdings hatte es 1 Woche zuvor schon ziemlich stark geschneit, so daß zunächst überhaupt nicht klar war ob der Weg überhaupt zu machen sein würde. Nachdem ich die Anreise allerdings schon so weit wie möglich nach hinten geschoben hatte, wollte ich die Tour zumindest beginnen und dann sehen wie weit man kommen würde.


1.Tag: Anreise nach Finkenberg (890m) / Aufstieg zur Gamshütte (1921m)
           (Aufstieg: 1023Hm, Abstieg: 12Hm, Strecke: 5,77km, Zeit: 2:35h)

Diesmal war ich mal nicht mitten in der Nacht gestartet, sondern fuhr erst am Morgen von Schleusingen los. Ab München hatte ich zwar mit den Sonntagsausflüglern zum Tegernsee zu kämpfen, aber ansonsten war ich recht zügig bis in die Zillertaler Alpen durchgekommen.

Blick auf Mayrhofen
Geparkt habe ich dann an der inzwische geschlossenen Seilbahnstation in Finkenberg. Der Parkplatz dort ist somit kostenlos und ein guter Ausgangspunkt für den Berliner Höhenweg.
H.-Hecht-WegNachdem ich mich umgezogen hatte, konnte es dann auch schon los gehen.
Zunächst führt der Weg über die Teufelsbrücke auf die andere Seite des Tuxbaches. Durch die Zellberger Siedlung erreicht ich dann recht schnell den Hermann-Hecht-Weg, der  in einer kontinuierlichen Steigung den Berg hinauf führt. Der Weg ist als Einlaufetappe wirklich gut geeignet. Er ist wunderschön und trotz der nicht geringen Höhenmeter nicht zu anstrengend.
GamshütteAngegeben ist der Weg mit 3h, was auch problemlos zu schaffen ist, ohne sich beeilen zu müssen.
Ober an der Hütte angekommen überraschten doch die recht vielen Gäste. Wie sich herrausstellte, lag das allerdings hauptsächlich daran, daß dort gerade ein Kirchentag stattfand. Das schöne daran war die Hüttenmusik (Harfe!!!, Zieharmonika und Gitarre), in derenen Genuß ich so kam. Die vielen Gäste lagen sicherlich aber auch darin begründet, daß heute herrliches Sonnenwetter war; und auch noch Sonntag.
Ein Nachteil der Hütte ist allerdings, daß sie recht zeitig im Schatten der  Berge liegt und es so doch recht zeitig kühl wurde.
In der GamshütteDer Hüttenwirt der GamshütteVom Hüttenwirt erfuhr ich, daß noch  2 Holländer am nächsten Tag den Berliner Höhenweg zum Friesenberghaus begehen wollten. 3 Weitere waren noch angekündigt. So gab es mit 6 Übernachtungsgästen im Lager wenigstens keine Drängelei und allein würde man auf dem recht langen Übergang am nächsten Tag auch nicht sein, zumal doch noch einige Schneereste vom letzten Schneefall vor ca. 1,5 Wochen zu erwarten waren.
Laut Wetterbericht ist für Di/Mi ein Kaltfront mit Wetterverschlechterung angesagt. Ich hoffe nur, daß dabei nicht zu viel Schnee runter kommt. Bei den momentanen Verhältnissen sollte es eigentlich bis zum Furtschagelhaus keine größeren Probleme mit dem Schnee geben.


2.Tag: Gamshütte (1921m) - Friesenberghaus (2477)
            (Aufstieg: 1248Hm, Abstieg: 696Hm, Strecke: 15,37km, Zeit: 9:30h)

Das Wetter sah am Morgen sehr vielversprechend aus und so ging es um 8 Uhr nach dem Frühstück los.
Die 3 Holländer, welche am abend noch von Mayerhofen aufgestiegen waren, waren schon ca. 1/4h vor mir los gelaufen. Die beiden anderen hatten noch länger gebraucht und bei einer 9h-Etappe wollte ich nicht so lange warten.
SchneeresteGleich am Anfang von der Hütte weg führt der Weg in einem knackigen Anstieg bis auf ca. 2100m hinauf, was schöne Tiefblicke zurück zur Hütte und ins Tal erlaubte. Oben ging es dann unterhalb der Ginbergspitzen auf relativ gleichbleibender Höhe über Grashänge. Bei der Querung von Schneeresten war dabei doch einige Vorsicht geboten, da der Hang doch recht steil war und ich nicht ausprobieren wollte, ob man darauf auch bremsen könne. Relativ am Anfang hatte ich auch gleich mal einen Denkzettel mit auf den Weg bekommen. Oberhalb des Pfades lag noch Schnee auf dem Gras. Als ich da fast vorbei war, rutschte die erste Hälfte hinter mir über den Pfad....
BlockwerkSpäter führte der Weg dann vermehrt über ausgedehnte Steinfelder mit teils reichlich Schnee dazwischen. Wirklich eine tückische Angelegenheit, da die Möglichkeiten über die Steine zu laufen dadurch eingeschränkt waren und bei jedem Schritt auf dem Schnee hatte man gute Chancen bis zur Hüfte darin einzubrechen.
Blick Richtung SchlegeisspeicherInzwischen hatte ich mich mit den 3 Holländern vor mir zusammen geschlossen, was der Sicherheit sicherlich durchaus dienlich war. Ab der Pitzenalm sahen wir dann noch 2 Leute vor uns laufen. Wie sich später in der Hütte rausstellte, waren sie von Ginzling aufgestiegen.
WesendlekarseeIm weiteren Wegverlauf gibt es dann noch einige kürzere Auf- und Abstiege. Auf die Länge gesehen war ich bei Ankunft am Friesenberghaus dann aber doch recht ausgepauert. Beim Fahrrad fahren werden doch andere Muskeln beansprucht, als beim Wandern. Auch machten die ganzen Schneefelder unterwegs den Weg nicht gerade einfacher.
Blick zum FriesenberghausAnsonsten muß ich aber sagen, daß der Weg von wirklich kundigen Leuten hergerichtet wurde, die was vom Wandern in diesen Regionen verstehen. Der Weg ist nach meinem dafürhalten nicht zu wenig und vor allem nicht zu viel präpariert worden. In wie weit dort meine angeschlagene Kondition mein Empfinden getrübt hat, kann man schlecht einschätzen. Jedenfalls war ich froh, als ich ca. 20 Minuten vor Ankunft die Hütte sah. :-)
Schneereste auf dem WegAuch die Schuhe hatten gute Dienste geleistet und waren im Gegensatz zu denen der anderen innen trocken gebliegen. Zumal es neben den doch einigen Schneefeldern die letzten 3 Stunden angefangen hatte leicht zu regnen.
SchlegeisspeicherDie Info des Hütten wirtes zur weiteren Wetterentwicklung machte auch nicht gerade Freude. Für den nächsten Tag war Schnee bis 1600m hinunter angesagt und am Tag darauf sogar bis 1000m.  Damit hat sich das Furtschagelhaus auch erledigt. Beim Blick auf die Berggipfel der gegenüber liegenden Talseite hatte sie der weitere Weg zur Berliner Hütte über das Schönbichler Horn (3134m) sowieso schon erledigt.


3.Tag: Friesenberghaus (2477m) - Schlegeisspeicher (Staudamm) (1800m)
            (Aufstieg: 88Hm, Abstieg: 772Hm, Strecke: 6,79km, Zeit: 2:20h)

Kurz hinter dem Friesenberghaus
Am Morgen war es neblig-naß. Nebel am Morgen ist zwar normaler Weise ein gutes Zeichen; diesmal jedoch nicht und so hatte ich mich im Grunde genommen ja schon gestern zum Abstieg entschieden. Der Weg zum Furtschagelhaus wäre zwar theoretisch noch möglich gewesen, aber bei den Wetterprognosen wäre spätestens danach Schluß.
im NebelDie beiden Wanderer, welche gestern von Ginzling aufgestiegen waren und aus Dresden kamen, hatten es auch vorgezogen bei dem Wetter wieder ins Tal abzusteigen. Die Holländer wollten zur Berliner Hütte weiter. Jedoch nicht auf dem Berliner Höhenweg, sondern durch das Tal (Zemmgrund). Das war für mich jedoch keine Alternative, da man von dort wie vom Furtschagelhaus unter den derzeitigen Bedingungen nur wieder auf dem selben Weg zurückkommen würde.
Also schloß ich mich den beiden Dresdnern an und würde dann noch ein paar schöne Urlaubstage in Thüringen haben, da das Wetter ja wieder besser werden sollte und nur der Schnee aus den Bergen nicht so schnell verschwinden würde.
Zunächst liefen wir also gemeinsam in Richtung Olperer-Hütte los. Allerdings entschlossen wir uns noch im Aufstieg doch den kürzeren Weg über die Domenikushütte zu nehmen. Also ging es wieder fast zur Hütte zurück und vom Abzweig weiter auf einem schmalen Pfad das Tal hinunter. Unterwegs wurden wir dann auch schon mal in dichten Nebel gehüllt und der inzwischen eingesetzte leichte Regen ging kurzzeitig auch mal in Graupel über.
Fast unten angekommen mündete der Pfad dann auf das Ende einer Forststaraße, die wir irrtümlich auch weiter hinunter liefen. Der Wanderpfad wäre eigendlich ziemlich direkt zur Domenikushütte weiter gegangen. Leider war er halt nicht ausgeschildert und so landeten wir über die Forststraße etwas unterhalb der Staumauer auf der Zufahrtsstraße und mußten auf selbiger durch einen kurzen Tunnel erst wieder ein paar Meter nach oben zur Bushaltestelle.
An der Bushaltestelle angekommen trafen wir noch ein paar andere Wanderer, welche vom Furtschagelhaus gekommen waren und wegen dem schlechten Wetter auch abreisen wollten.
Unterwegs stiegen auch noch die 5 Holländer zu. Sie hatten sich wohl auch entschieden daß es nicht viel Sinn hatte zur Berliner Hütte zu laufen, zumal es inzwischen doch recht stark regnete und sie von der Berliner Hütte mit Sicherheit nicht weiter gekommen wären.
Vom Timing hätte es nicht besser laufen können. Bereits nach ca. 15 Minuten kam der Bus nach Mayrhofen vorgefahren. Meine beiden Weggefärten hatten sich bereit erklärt mich mit dem Auto von Ginzling, wo sie es geparkt hatten,  nach Finkenberg zu nehmen, was ich natürlich gerne in Anspruch nahm.
In Finkenberg angekommen fand ich mein Auto wohlbehalten auf dem Parkplatz wieder. Nachdem ich mich umgezogen und von den beiden Weggefährten verabschiedet hatte machte ich mich auf die Heimreise, wo ich dann am Abend auch ohne Zwischenfälle ankam.

Nachwort:

Eins steht nach diesem zugegeben recht kurzen Ausflug fest. Den  Berliner Höhenweg werde ich mit Sicherheit bei besserem Wetter noch einmal in voller Länge laufen und möglichst noch ein paar schöne Gipfel am Wegesrand mit nehmen. :-)))
 

ih, 8.10.2007